VST-Synth FAW Circle im Test

Das deutsch-irische Kollektiv hinter Future Audio Workshop mit Sitz in Irland hat seinem Debütanten nicht nur ein zeitgemäßes Interface in slickem Schwarz verpasst, sondern sich auch offenkundig mal ein paar grundlegende Gedanken gemacht, was man anders und besser machen kann als die Konkurrenz.

 

 

VST-Synth Circle von FAW

VST-Synth Circle von FAW

Design und Interface

Herausgekommen ist ein virtueller Synthesizer, der nicht unbedingt versucht das Rad neu zu erfinden, er setzt eher darauf, dass es richtig schön rund läuft. Sprich: Ein einfacher und intuitiver Weg zum Soundergebnis ist hier Trumpf. Mittel zum Zweck: das äußerst geschmackvoll gestaltete und sehr gut durchdachte Interface. Statt Presets-Skippen ist hier Selbstschrauben angesagt, zumindest scheint der Circle dafür wie gemacht. Wenngleich er natürlich auch 500 durchweg brauchbare Presets ab Werk mitbringt.

Die Oberfläche ist grob in drei Spalten geteilt: links die Sounderzeugung, in der Mitte die Soundbearbeitung, rechts die Modulations-Elemente. Jedes virtuelle Bauteil lässt sich individuell ein- und ausschalten, und was nicht benutzt wird, wird ausgefadet. So bleibt der Blick frei fürs Wesentliche. Statt virtueller Kabel hat jede Modulationsquelle eine Farbe, so dass immer klar ist, wer hier wen ansteuert. Zudem wandern Leuchtpunkte die Hüllkurven entlang, was äußerst elegant verdeutlicht, welcher Abschnitt gerade durchlaufen wird, gleiches gilt auch für LFO und Stepsequencer.

Aufbau und Features

Auf der klanglichen Seite stehen vier Oszillatoren zur Verfügung. Die arbeiten entweder mit den üblichen analogen Wellenformen oder als Wavetabels à 110 Wellenformen. Je zwei lassen sich per Hardsync koppeln, per Sub-Button lassen sich die Oszillatoren auch als LFO und somit als Modulationsquelle umfunktionieren. Ein Noisegenerator ist ebenso an Bord wie auch ein Rückkopplungsweg zwischen VCA und Misch-Sektion. Der flexiblen Klangerzeuger-Abteilung stehen die beiden anderen Bereiche Modulation und Bearbeitung in nichts nach. Seien es ADSR-Hüllkurven mit umschaltbarem exponentiellen oder linearem Verlauf (Snap-Funktion) oder syncbare LFOs mit je 16 Wellenformen. Oder eben in der mittigen Spalte, wo mit einem Filtermodul (sechs Charakteristiken), ein seriell- oder parallel arbeitender Dualfilter, ein Mouth-Phaser-Filter und mit einigen weiteren insgesamt acht Module zur Klangbearbeitung oder -zerstörung bereit stehen. Wer denkt, dass sei schon alles: Nein, es gibt auch noch eine dezidierte Effektsektion sowie unter “Settings“ noch diverse Einstellungen, u.a. für die Soundausgabe (maximale Stimmenanzahl, Legato, Unisono, Host-Sync an/aus etc.).

Klang und Fazit

Der Circle lässt also keine State-of-the-Art-Funktion aus, bleibt aber trotzdem angenehm leicht bedienbar, so dass das anvisierte Soundziel nie weit entfernt scheint. Form und Funktion sagen sich hier auf derart überzeugende Weise guten Tag, dass man sich fragt, wann man den letzten VST-Synth mit ähnlich frischem Design gesehen hat – den man auch auf Anhieb bedienen konnte. Aber was noch viel wichtiger ist: Er klingt auch durchweg überzeugend. Endlose Soundscapes sind seine Sache nicht, aber er deckt ein erstaunliches Repertoire zeitgenössischer Synth-Sounds mehr als solide ab. Hier lohnt sich das Ausprobieren. Einziges Manko: Bei ein paar Presets schoss sein CPU-Hunger plötzlich derart durch die Decke, dass selbst auf einem aktuellen Quadcore der Asio-Treiber um Luft ringen musste. Aber dieser Schönheitsfehler in der B-Note wird sicherlich kommenden Updates schnell zum Opfer fallen. Alles in allem: beide Daumen hoch!

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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