Farside Records und Westpark Unit: Deep im Pott

Es raschelt mal wieder im Deutschen House-Wald. Neben Henrik Schwarz, Innervisions oder Ame stellt sich auch Ingo Sänger mit seinem Label Farside auf.

Die alten verquasten Deephouse-Schablonen fungieren plötzlich als Nährboden, zusammen mit dem, was sich da an Genre-Scherbenhäufchen so über die Jahre angehäuft hat. Seien es Broken Beats oder deutsche 2Step-Gehversuche wie das Gush Collective – die Wurzeln sind diffus, aber die Zeit anscheinend wieder reif.

 

Eines der Label, das nun frisch aus der Wäsche lugt, ist Farside Records. Im Ruhrpott beheimatet, belebt es einen alten House-Knotenpunkt neu. Betrieben wird es von Ingo Sänger, der das Label im Jahre 2000 als Compilation-Label gegründet hatte und es vor zwei Jahren dichtmachen musste, als der NTT-Vertrieb zerfiel. Seit Mai diesen Jahres bringt er nun erstmals Vinyl-Maxis heraus. Mit dabei einer der umtriebigsten House-und-mehr-Prouzenten überhaupt: Herb LF. Der Macher z.B. von Draft Records und Metrosoul Records wirkt auch im engeren Labeldunstkreis mit und releast zusammen mit Ingo Sänger als Westpark Unit.

Vor allem die Tracks und Mixe dieser beiden wuchern in erdigen Gefilden irgendwo zwischen House, HipHop und Detroit. Mal laidback, mal forsch mit der Nase am Club, aber immer mit einer von Deephouse-Patina befreiten musikalischen Wärme – und hoffentlich mit etwas mehr Potential und Lebenserwartung, als 2Step oder Broken Beats hierzulande an den Tag legten. Ob der Wind gedreht hat oder nicht, es darf auf jeden Fall auch mal wieder ein Piano durchschimmern, wenn sich lässige Orgeln, fette HipHop-Claps und Rhodeslicks so unbeschwert guten Tag sagen wie schon lange nicht mehr. Klar, so was bleibt bei Spezialisten nicht lange ungoutiert und so fehlen weder Mixe von Tyree Cooper oder Soulphiction noch die Props von Osunlade oder Jimpster.

Während man sich noch fragt, ob einen dieselbe Xylophonphrase vor einem Jahr nicht noch ganz schrecklich genervt hätte, weht einem der nächste Farside-Track schon wieder als derart frische Brise um die Ohren, dass sich die Bedenkenträger-Allüren ganz schnell auflösen. Spätestens wenn man Tracks wie “Love Ritual“ hört. Dieser stammt vom neuesten Labelzugang The Offsetters aus Südfrankreich, ganz zeitgemäß über MySpace aufgegabelt und direkt gesignt. Besagtes “Love Ritual“ im Westpark-Unit-Mix schmeißt deepe Zitate, ohne mit der Wimper zu zucken, mit Errungenschaften der Minimalwirtschaft der letzten Zeit zusammen und spannt beides auf ein üppiges Rhythmus-Gerüst, das jedem HipHop-Track gut zu Gesicht stehen würde. Die Mischung macht derart Spaß, dass man darin fast eine Blaupause für die ganze Ruhrpott-Blase um Westpark Unit und Herb LF sehen möchte. Nicht auszudenken, was passiert, wenn hier bald die Fäden zu Innervisions oder zur Drumpoets Community aus dem Compost-Umfeld gesponnen werden.

Farside Records Homepage

Dieser Artikel erschien im Magazin DE:BUG.

 

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