Trentemöller: Perfekter Vorsprung

von ludwig am 26. April 2006


Die Tracks von Anders Trentemøller sind wie Blöcke aus schwarzem Marmor: kühl, glatt poliert bis ins letzte Detail, Oberfläche: schwarz, matt schimmernd und sehr massiv. Sie treffen die Techhouse-Synapsen exakt ins Mark.

Selbst der spärlichst talentierte DJ kann mit den Tracks von Anders Trentemøller nahezu jeden technoiden Dancefloor in ein Knäuel aus schierer Verzückung verwandeln. Zu gut funktioniert die Kombination aus schweren Kicks, massivem Bass und der idealen Menge DSP-Schnipsel obendrauf, ausgefeilt bis ins letzte Bit. “Sweat on the Walls” par Exellence. Rockt wie nichts Gutes. Der 32-jährige Däne mit Rockband-Vergangenheit holt dabei mit seinem Perfektionismus den maximalen Drive aus der Essenz von Techhouse. Inklusive aller Schwächen, die dieses Genre mit ich bringt: Denn die Hybrid-Musikrichtung von zwischen den Stühlen, die nichts sein will außer einer raffinierten Understatement-Variante von Abfahrt samt kalkulierter Sickness, lässt doch immer wieder Begriffe wie Wärme oder Soul im Strobonebel zwischen zwei leeren Vodka-Redbull-Gläsern verkümmern.

Trotzdem findet natürlich alles, was zerrt, zieht, drückt, nach vorne will, jederzeit ein Zuhause in Trentemøllers Tracks. Und dafür, dass es nicht langweilig wird, sorgt sein Perfektionismus. Denn bei aller Funktionalität, seine Tracks bleiben spannend: “Es macht mir einfach am meisten Spaß, die ganzen Details der Tracks auszuarbeiten. Steht erst mal die Bassline und der grobe Aufbau, stürze ich mich in die Feinarbeit. Es gibt schon zu viele Clubtracks, in denen sich gar nichts ändert. Für mich ist ein guter Track im Club immer eine Reise von A nach B, also versuche ich das auch so zu machen.” Allerdings hat Anders auch die Schattenseiten des Perfektionismus zu spüren bekommen: “Früher habe ich manchmal mehrere Monate an einem Track gearbeitet, ohne das ich je zufrieden war. Aber andererseits ist es natürlich auch gut, wenn man seine Ideen ausarbeitet, nicht zu schnell zufrieden zu sein. Trotzdem muss man es dann schaffen, das Spontane der ersten Idee zu erhalten.“ Was rauskommt, sind die knackigsten Clubtracks zurzeit, goutiert von Myriaden von Tanzbeinen. Damit ist der ehemalige Kindergärtner aus Kopenhagen auf jeden Fall um eine Nasenlänge voraus, im Seifenkistenrennen auf der Suche nach dem perfekten Beat.

Dieser Artikel erschien im Magazin DE:BUG.

 

 

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