Steinberg Wavelab 6: Neues Mutterschiff

von ludwig am 12. März 2009


Das Mutterschiff aller Audio-Schnittprogramme für den PC hat einen neuen Anstrich bekommen. Mit Version 6 hat Steinbergs Wavelab noch einmal eine Schippe an Funktionen draufgelegt, ohne damit die Primärtugenden des Programms zu verwässern.

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Steinberg Wavelab 6

Was sich nicht verändert hat? Die grundsolide Audio-Engine und die einfache Bedienung, kombiniert mit dem gewohnt spröden Wavelab-Design, das einem förmlich entgegenschreit: Ich sehe zwar wenig funky aus und habe den Charme einer Lohnsteuer-Software, dafür bin ich ein Werkzeug und kein Spielzeug.

Alles an seinem Platz

Und so muss sich ein Benutzer früherer Wavelab-Versionen nicht großartig umgewöhnen. Alles wie gewohnt, alles an seinem Platz. So soll es sein, bei einem Schnittprogramm, mit dem man seinen Tracks den letzten Mastering-Schliff verpasst, missglückte Mixdowns zurechtbiegt und anschließend mit der eingebauten Brennsoftware auf CD oder DVD verewigt. Also nichts Neues bei diesem Update? Weit gefehlt. Rund 150 neue Funktionen stecken drin, nur eben wohl platziert, da wo es Sinn macht.

Analyse-Tools für Fortgeschrittene

So hat sich bei den Metering- und Analyse-Funktionen einiges getan. Für Wellenformen stehen drei Ansichts-Modi zur Verfügung: die klassische Wellenform-Ansicht, eine Anzeige in Lautstärken-Hüllkurven und eine Spektrum-Ansicht als Sonogramm. So weit so gut, neu ist jedoch, dass man in der Sonogramm-Ansicht beinahe chirurgisch-gezielte Eingriffe in das Frequenzspektrum des Audiomaterials vornehmen kann. Eine Editiermöglichkeit, die weit über das Cut&Paste-Schnipseln in der Wellenform-Ansicht oder klassisches Herausfiltern von Störfrequenzen hinausgeht. Und wem das nicht reicht, kann sich die Frequenzverteilung auf der Zeitachse auch gerne noch als 3D-Diagramm reinfahren.

Immer schön mittig

Die interne Echtzeit-Pegelanzeige zeigt nun neben den Spitzenpegeln und der Durchschnittslautstärke (RMS) auch die Spitzenpegeldifferenz im Stereofeld an. Zu deutsch: Ich habe jetzt immer im Blick, wenn mein Track auf einem Kanal lauter ist. Hierzu passt auch ein weiteres neues Feature: die Möglichkeit, beim Normalisieren genau diese Unterschiede zu analysieren und dann auszugleichen, hierzu lassen sich die Kurven der Spitzenpegel komfortabel anzeigen und übereinander legen. Und wo wir schon beim Mastering sind: Das Levelmeter unterstützt jetzt das von Bob Katz entwickelte “K-System”, eine Abhörkalibrierung- und Einpegel-Philosophie, die uns Tracks mit vermatschter Dynamik ersparen soll und wahre Audio-Freaks gerne mit der Zunge schnalzen lässt.

Bypass mit Grips

Ebenfalls eine neue und sehr hilfreiche Funktion: der intelligente Bypass. Man kennt das: Kaum liegen Compressor und Limiter auf dem Track, schon sagen einem die Ohren: Lauter ist gleich besser. Aber klingt es wirklich besser? Hier gleicht Wavelab beim Abhören jetzt auf Wunsch die Pegelunterschiede zwischen Original und bearbeitetem Signal aus. Also fällt der Lautstärkeunterschied im A-B-Vergleich weg und man kann sich ganz auf die klanglichen Änderungen konzentrieren.

Unterm Strich

Bevor wir ganz im technischen Kauderwelsch der Detailverbesserungen in Sachen Mastering versinken, noch ein paar Highlights aus den übrigen Bereichen: Wavelab 6 kommt mit den gewohnt grundsoliden internen PlugIns, verfügt natürlich aber weiterhin über eine VST- und Dxi-Schnittstelle. Sogar externes Outboard-Equipment kann per PlugIn relativ einfach in den Signalpfad eingebaut werden. RedBook-kompatibles CD-Mastering und DVD-Audio-Authoring kann es auch und in Sachen Dateigröße gibt es nun auch keine Beschränkungen mehr. Wer es jetzt noch nicht gemerkt hat: Die Feature-Liste ist schier endlos und lässt kaum Wünsche offen. Wobei trotzdem nur vorsichtig erneuert wurde, so dass kein alter Hase vergrault wird. Fazit: eine gelungene neue Version mit Augenmaß, die bombensicher läuft, aber gleichzeitig auch gewisser Systemressourcen bedarf. Und wer das beiliegende 784-Seiten-Handbuch durch hat, kann sich den SAE-Audio-Ingenieurs-Kurs getrost sparen.

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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