Sasse: Cheesy Yumms!

Sasse aka Freestyleman sieht mit Hornbrille zwar aus wie der dogmatische Deephouse-Gralshüter, aber er hat durchaus eine Vorliebe für cheesy Italo-Ironie.

Sasse, Berlins rührigster Exil-Finne, beweist seit Jahren, wie man sich selbst treu bleibt, ohne durch konservative Beharrlichkeiten dem eigenen künstlerischen Output den Saft abzudrehen. Kontinuität wird bei ihm groß geschrieben, was er anpackt, hat einfach Hand und Fuß. Treu bleibt er House mit Wumms und Tiefgang und das so beständig wie sonst kaum einer. Nicht umsonst begegnet man ihm und seinen zahlreichen Pseudonymen (u.a. Freestyleman, Klaus Wunderbaum, Thirsty Monk) alle naselang und an seinem Label Moodmusic kommt man als Käufer von House made in Germany sowieso kaum noch vorbei. Jetzt krönt er seinen künstlerischen Reifeprozess mit einem Album. “Made within the upper Stairs of Heaven” heißt es und lotet versiert aus, was sich aus dem Spannungsfeld zwischen House und seinen Italo-Wurzeln so alles rauskitzeln lässt.

 

Turku, Frankfurt, Berlin

Sasses Weg ins Zentrum deutscher Housemusik ist schnell beschrieben: 1999 kam er zusammen mit George Spruce in einem Fiat Uno aus dem finnischen Turku vollgepackt mit Platten und Musik-Equipment nach Frankfurt am Main. Im Sommer 2003 ging es weiter nach Berlin. Das eigene Label Moodmusic Records war mittlerweile aus der Taufe gehoben. Die Hauptstadt brachte dann den nötigen Drall, um es endgültig zu einer Grundfeste der hiesigen Musiklandschaft werden zu lassen. Neben der eigenen Produzenten- und DJ-Karriere, musste noch mehr Labelarbeit her. Mit George Spruce zusammen startete er Senator Records, bevor er schließlich Henrik Schwarz traf und mit ihm Sunday Music gründete. Die Folgen sind bekannt. Zwischenfazit: noch so ein Selbstläufer, also kann man sich getrost anderen Aufgaben widmen. “Anfang letztes Jahr habe ich mir dann gesagt: Scheiß auf das Label, das läuft gut, und habe wieder angefangen mehr Tracks zu machen.”

Was für ein Glück …

… denn das Album vereint Geschmackssicherheit, Musikalität und ein gerütteltes Maß emotionaler Tiefe derart knackig, dass man schon ins Grübeln kommt, will man es ohne halbseidene Lobeshymnen beschreiben. Eines fällt jedoch auf jeden Fall auf, vergleicht man die Tracks auf dem Album mit seinen Maxis auf Moodmusic: Hier hat jemand seine heimliche Liebe wieder entdeckt: Italo. Und das passt wie die Faust aufs Auge, denn Italo kommt ja nie ohne ein gewisses Maß an Ironie, Überschwang und wohldosiertem Bad Taste aus. Genau den Zutaten also, mit denen Sasse seine Tracks vor der Deephouse-Geschmackspolizei in Sicherheit bringt. Angst, sich dabei am Kitsch die Hände schmutzig zu machen? Keine Spur: “Cheesy ist gut, guter Käse. So wie bei Italo, da ist auch viel guter Käse drin. Zusammen mit etwas Ironie funktioniert das prima. Ironie ist mir superwichtig. So lange ich die Sache selber spielen kann, ohne zu lachen, ist alles okay.”

Gefühle statt Formalia

Doch wer hier jetzt lupenreinen Neo-Italo wie manche Sachen aus dem Hause Final Frontier/Pigna wittert, liegt falsch. Dazu hat Sasse zu sehr einen Narren an seiner Dauerliebe House gefressen. Nicht so sehr am formalen Korsett, auf dem die Puristen so gerne herumreiten, eher am emotionalen Gerüst dahinter: “Als DJ sind mir die meisten neuen Deephouse-Platten im Clubkontext zu langweilig. Den Deephouse-Sound an sich wollte ich daher auch nicht auf dem Album haben. Wenn ich das irgendwo den ganzen Abend lang höre, da krieg ich echt die Krise. Aber dieses Gefühl hinter den Tracks gefällt mir, das geht nicht weg, es läuft einfach immer im Hintergrund mit. Ich stehe nach wie vor auf den rohen, kickenden Deephouse-Sound von früher. Wenn ein DJ das vernünftig auflegen würde, wäre ich mit Sicherheit einer der ersten, der glücklich tanzend auf dem Dancefloor seine Kreise ziehen würde.”

 

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