Motu Digital Performer 5: Audiosequenzer im Test

Motus Digital Performer wird mit der neuen Version 5 nicht nur Intel-Mac-fähig, sondern nähert sich auch mit seinen neuen Instrumenten immer mehr an Logic und Cubase an. Dass der amerikanische Sequenzer sowieso schon lange alles kann, was die europäische Konkurrenz featured, wissen Profis schon lange.

In Amerika weit verbreitet, hierzulande fristet er immer noch ein Nischen-Dasein: Motus Digital Performer. Zu Unrecht, denn dieser Sequenzer kann mit Cubase und Logic mehr als mithalten. Ist erst mal die Eingewöhnungsphase überwunden und der Schock über das 1000-Seiten-Handbuch abgeklungen, wird es interessant. Denn die aktuelle Version 5.1 ist nicht nur Multiprozessor-fähig, sondern hat – anders als ihre Vorgänger-Versionen – nun auch einige hochqualitative Klangerzeuger mit an Bord.

 

Die Bedienung

Ist man an Steinbergs Cubase-Welt und deren Bedienungs-Konventionen gewöhnt und öffnet zum ersten Mal den DP 5, geht erst mal gar nichts. Nichts funktioniert wie gewohnt, ohne einen Blick in das Handbuch (so dick wie ein Telefonbuch) ist Motus Sequenzer nicht mal ein einziger Ton zu entlocken. Hat man aber ein paar Seiten Handbuch quergelesen, zeigt die Lernkurve überraschend steil nach oben. Erfrischend ist vor allem Motus Strategie: Es gibt ein frei konfigurierbares Arbeitsfenster und man sieht nur, was man wirklich sehen will. Sprich: Man schaltet im Workspace zwischen einer Trackansicht, dem Mixer mit den Instrumenten- und PlugIn-Slots und dem Sequenzer-Editor sowie dem Midi-Noteneditor hin und her. Daneben gibt es stets eine Leiste, mit der man festlegt, was man sehen möchte. Nur Midi-Spuren? Nur die Audio-Tracks? Nur die Instrumente? Ein paar Mausklicks und die Arbeitsfläche ist umgebaut.

Ausstattung und Performance

Dank dieser Strategie bleibt alles hübsch ordentlich und ein halbwegs komplexes Projekt ist selbst auf einem 13″-MacBook-Display gut zu verwalten. Und an der Performance gibt es nichts zu mäkeln – selbst eine kleine Armada an Ressourcen-hungrigen virtuellen Instrumenten (z.B. eine Hand voll Arturia-, ProphetV- und Analog-Factory-Instanzen) bringt den DP 5 nicht aus dem Takt. Hier seien auch die mitgelieferten Klangerzeuger lobend erwähnt: Sei es der dem Roland 106 nachempfundene PolySynth, der Wave-Synthie Modulo oder der FM-Synth Proton – alle bestechen durch einen druckvollen, klaren Klang und einen schonenden Umgang mit System-Ressourcen. Dazu stehen mit dem NanoSampler (ein einfacher, klassischer Sampler) und mit dem Model12 (ein Drumsampler) zwei praktische Plugins zur Verfügung. Der Grundbedarf an Klangerzeugern ist also erst mal gedeckt. Gleiches gilt für die gängigen Effekt-PlugIns, denn auch hier bietet der DP nun von Haus aus eine gute Grundausstattung.

Die Audioskills

Für alles weitere verfügt DP 5 über eine AU-, MAS- sowie eine ReWire-Schnittstelle und ist ProTools-Hardware-kompatibel. PlugIns und virtuellen Instrumenten von Drittanbietern steht also nichts im Wege. Das Latenz-Handling ist vorbildlich und auch am Umgang mit Audiofiles gibt es nichts zu kritisieren: Sampels heißen im DP Soundbites, werden erst in einen Pool importiert und können von dort aus per Drag & Drop in die Audiospuren gezogen werden. Diese einzelnen Soundbites lassen sich durch Freezen zu ganzen Blöcken verschmelzen oder – ähnlich wie in Logic – komfortabel loopen, ohne sie wie in Cubase dafür endlos duplizieren zu müssen. Ansonsten dient die Freeze-Funktion – wie bei den großen Konkurrenten Cubase und Logic auch – zum Freischaufeln von System-Ressourcen.

Das Stretchen, Takten und Zurechtbiegen von Audiofiles klappt mit DP (dank Snap-to-Grid) sehr gut, auch wenn der Loop nicht so im Mittelpunkt steht wie etwa bei Abletons “Live”. Bei DP liegt hier eher der Fokus darauf, dass man Midi und Audio gleich behandelt und so versucht, eine größtmögliche Flexibilität zu erreichen, was auch durchaus gut gelingt.

Die Klangfrage

Bei Sequenzern über den Klang zu sprechen, führt ja schnell ins Mythische. “Logic hat einfach mehr Punch”, “Live klingt direkter und dreckiger” – wer kann das schon nachvollziehen? Fakt ist, dass man mit allen großen Sequenzern professionelle Ergebnisse erzielen kann. Begibt man sich jedoch ins Reich der Nuancen und des persönlichen Geschmacks, kann ich nur sagen, dass mich der Klang des DP 5 durchweg überzeugt hat. Vielleicht lag’s auch an den mitgelieferten (eher vintage-lastigen) Synth-Plugins – ich würde ihm alles in allem einen ausgewogenen und warm-kompakten, trotzdem sehr transparenten Klang attestieren. Dazu noch eine erstaunlich leidensfähige Unempfindlichkeit gegenüber jeglicher Übersteuerung.

Das Fazit

Wer also auf der Suche nach einem (Mac-basierten) Sequenzer ist, sollte den DP unbedingt in Erwägung ziehen. Denn neben den ganzen bisher aufgeführten Features hat der DP z.B. auch noch das Vertonen von Filmmaterial sowie ausgefuchste Notations-Funktionen zu bieten. Die Einsatzmöglichkeiten zum digitalen Performen sind also enorm. Für einen deutlich geringeren Preis als für die beiden großen Konkurrenz-Sequenzer bekommt man hier erstaunlich viel Leistung geboten. Ganz zu schweigen von dem wahrlich monströsen Handbuch.

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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