Moog Little Phatty im Test

Wenn ein Hersteller mit derart viel legendärer Patina einen neuen Synthie vorlegt, sind natürlich allenthalben Zungenschnalzen und Fingerlecken angesagt. Denn der Little Phatty ist der günstigste Moog, der je gebaut wurde und das erste Gerät, das Moog nach dem Ende der Ära Bob Moog herausbringt.

Moog Little Phatty

Moog Little Phatty

Strom, keine Nullen und Einsen. Und so sticht der vollanaloge Little Phatty aus derMasse an virtuell-analogem Synth-Gewuselauch gehörig hervor. Erstens: slickes Design,Holzpanele, ultra griffige Moog-Knöpfe, dazu blau beleuchtete Bedienelemente – und nicht zuletzt ein schwungvolles Fließheck,verziert mit der Signatur von Bob Mooghimself. Alles in allem: ein Augenschmaus. Zweitens: vollanalog, das sagt schon alles. Keine Emulation mit DSPs unter der Haube,sondern diskrete Bauteile. Digital sind nur die Presetverwaltung, also die Steuersoftware, und natürlich die Midifunktionen. Der Rest ist Strom, keine Nullen und Einsen.

 

Back to Basics

Der Aufbau ist natürlich deutlich einfacher gehalten, als der des großen Bruders und Minimoog-Nachfolgers Moog Voyager: Der Little Phatty ist ein klassischer subtraktiver Synth mit zwei Oszillatoren á vier Wellenformen (Dreieck, Sägezahn, Rechteck bis Pulswelle) an Board. Für die Modulation stehen zwei ADSR-Hüllkurvengeneratoren, sowie ein LFO mit vier verschiedenen Wellenformen (Dreieck, Rechteck, Sägezahn und Ramp) zur Verfügung. Einfacher gehalten heißt in der Praxis: Es gibt nur einen Modulationsbus, der aus sechs Quellen angesteuert werden kann und wahlweise auf eines von vier Zielen (Tonhöhe, Oszillator 2, Filter und Wellenform) geroutet werden kann.

Filtern mit Charakter

Diese recht überschaubare Klangerzeuger- kills werden mit einem Schmankerl abgerundet: Der Moog-Kaskaden-Filter mit einer Flankensteilheit von jeweils 6, 12, 18 oder 24db/Oktave. Wie von Moog nicht anders erwartet, ist er durchaus ausdrucksstark geraten. Einziger Minuspunkt: Die Anzahl der Pole und das Velocity-Verhalten des Filters lässt sich nur global, und nicht pro Sound speichern. Der Filter lässt sich über die üblichen Parameter wie Cutoff und Resonanz, so- wie über Keyboard Control Amount, und Filter Envelope Amount einstellen. Wem es an Schmutz fehlt, der kann mit der nachgeschalteten Sättigungsstufe na- mens Overload das Signal noch gehörig an- oder auch gerne verzerren.

Bedienung und Sound

Das Frontpanel ist sehr gut durchdacht, für jede Sektion steht allerdings nur ein Drehregler zur Verfügung: D.h. wie in einem Matrix-Interface wird über Taster der jeweils zu editierende Parameter auf diesen Poti geroutet. Ein schicker blauer LED-Kranz zeigt dann den aktuell eingestellten Wert an. So geht das Soundbasteln flott von der Hand. Der Klang dieses Moog-Frischlings hebt sich wie erwartet deutlich von den virtuell-analogen Kollegen ab. Warm, knackig, massiv – ein Moog eben. Wer aber die berühmte “Wall of Sound” beim ersten Tastenanschlag erwartet, wird sich war- ten müssen. Schließlich haben wir hier einen monophonen Synth vor uns. Die Sounds bewegen sich also eher im bas- sigen- bis Lead-Bereich und zollen in ihrem teilweise recht einfachen Charakter der spartanischen (oder puristischen?) Klangerzeuger-Sektion deutlich Tribut.

Liebe auf den zweiten Blick

Mir hat sich die Klangwelt des Littly Phatty deutlich schwieriger erschlossen, als sein slickes Äußeres, was schon auf den ersten Blick gefällt. Dazu kam das ein oder andere Problemchen, z.B. plötzlich verstummende Sounds, die erst nach einem Neu- start des Geräts wieder funktionierten. Hier machen sich wohl noch einige Bugs in der Steuersoftware bemerkbar, die hoffentlich mit den nächsten Updates bald ausgeräumt sein werden. Vor die- sem Hintergrund eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen, fände ich etwas gewagt. Wer mit dem Analog- schätzchen liebäugelt, sollte es auf je- den Fall gründlich Probespielen und auf Herz und Nieren prüfen. Ein Charakter- Synth ist er auf jeden Fall und wird so auf lange Sicht wohl auch der guten alten Moog-Tradition gerecht werden. Und manchmal hat ja auch die Liebe auf den zweiten Blick mehr Substanz, als die auf den ersten.

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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