Losoul: Optimale Endlosgrooves

von ludwig am 26. April 2004


Auch mit seinem neuen Album “Getting Even” bleibt Losoul der Deephouse-Ballungsraum-Frankfurter mit den epischen Tracks, die sich aufs Elementare beschränken. Wie in der Musik, so im Interview …

Schneidest du mir noch bitte eine Scheibe von den Strings ab? Gerne, aber reich’ mir doch grad mal den Discobass rüber. Bitte sehr. Du machst ein Album? Bedien’ dich doch erst mal am All-You-Can-Eat-Buffet der musikalischen Referenzen und iss dich ordentlich satt. Dann sehen wir weiter. Dass es auch anders gehen kann, zeigt Peter Kremeier, also Losoul, mit seinem neuen Album “Getting Even” auf Playhouse. Ein erfrischender Gegenentwurf für alle, die unter Sättigungserscheinungen gängiger Zitiermuster leiden.
Ihr könnt den Zeigefinger aber gleich wieder einklappen, denn das hier wird kein Manifest gegen musikalische Anleihen. Hey! Ohne Sampling … wo kämen wir denn da hin? Dennoch kann man Referenzen bekanntlich auch anders verorten. Emotional. Erlebnisse und Stimmungen. Durch den Fleischwolf gedreht und in eigene Sounds gegossen. Das hat Losoul gemacht, mit Bravour. Teilweise seltsame Sounds, die aber so was von mittenrein ins Gefühlszentrum z.B. der Erlebnisse einer Clubnacht treffen, dass man sich dem kaum entziehen kann. Da wird geschaukelt, sanft getriggert, geschubst oder freudig in die Höhe geschleudert, das ganze Spektrum eben, aber nie plakativ. Hier liegt die Kunst. Nahe am Club, ohne Tool zu sein. Deep ohne Rhodesakkorde, treibend ohne tribale Ornamentik. Genau dosiert und doch nicht minimalistisch. “Subjektiver Optimalismus”, wie Hans Nieswandt im Pressetext behauptet? Oder ist das nicht eigentlich das, was jeder vor Augen hat, der Musik macht?

Losoul:
Optimalismus zu betreiben ist natürlich immer gut (lacht). Subjektiv heißt dann ja letztlich Geschmackssache. Alles kein Problem, wenn der betreffende Macher etwas Erfahrung hat, dann ist das ja schon mal was. Hans kennt ja nun schon länger die Sachen von mir, der weiß schon, was er da schreibt (lacht).

Debug:
Könnte Hans Nieswandt so was wie ein Vorbild für dich sein?
Losoul:
Hab’ sein Buch auf jeden Fall gelesen (lacht).

Debug:
Die Musik …
Losoul:
In der konkreten Ausformung weniger. Aber vielleicht die Herangehensweise. Im Sinne von soulfull, melancholisch, aber auch witzig. Oder auch trashig. Irgendwo zwischen diesen Polen. Wir kommen ja auch aus der gleichen Stadt. Das spielt schon eine Rolle, ich sehe da echt Unterschiede Musik kennen zu lernen. Zwischen Köln, Frankfurt und Berlin. Von daher ist das schon relativ nahe liegend.

Debug:
Du wohnst jetzt seit 15 Jahren im Rhein-Main-Gebiet. Wie wichtig ist dieses Umfeld zwischen Playhouse und dem Robert-Johnson-Club?
Losoul:
Ich bin hier gewachsen. Das arbeitet auch mit mir zusammen, man wohnt hier, hat hier Bezüge. Aus der Gegend kommen ja schon einige. Auch Jörn und Roman (Alter Ego), Ricardo war lange hier und Perlon kommt ja ursprünglich auch von hier. Ist halt ein Ballungsraum, viele Leute, viel Austausch, viel intensive Urbanität. Viele Möglichkeiten, wo sich dann auch Spannung aufbauen kann, die man vielleicht für die Musik braucht.

Debug:
Ich musste beim Hören der Tracks immer an Robert-Johnson-Clubnächte denken. So als ob die einzelnen Tracks auf bestimmte Momente so einer Nacht zugeschnitten wären?
Losoul:
Das freut mich! Man kann’s natürlich einerseits auch erwarten. Schließlich ist das der Ort, wo ich spiele oder hingehe, wenn ich nicht unterwegs bin. Der Club hat mich mitgeprägt. Ata macht halt diesen Club, er und Heiko M/S/O sind für mich auch so was wie musikalische Begleiter über einen längeren Zeitraum hinweg. Es ist etwas Außergewöhnliches, sowohl musikalisch als auch atmosphärisch, dass hab ich in anderen Clubs so noch nicht erlebt. Liegt vielleicht aber auch daran, dass ich hier jetzt 15 Jahre lebe und inzwischen hier zu Hause bin.

Debug:
Diese emotionalen Referenzen scheinen mir auf dem Album stärker zu sein als zum Beispiel offensichtliche musikalische Bezüge.
Losoul:
Ich wollte das auch so ein bisschen in den Vordergrund stellen. Ich wollte es mal anders machen, so platt das klingt. Die Herausforderung bin ich einfach mal eingegangen.

Debug:
Was für Erlebnisse werden da verarbeitet?
Losoul:
Unterschiedlich. Zum Beispiel Erlebnisse beim Live-Spielen. Weil man halt über einen ganz kurzen Zeitraum etwas aufbaut. Leute, die einen zum ersten Mal sehen, Gäste, aber auch Leute, mit denen man dann arbeitet. Das bietet viele Knackpunkte, Spannungspunkte. Da geschehen Sachen, die einem mit Leuten, die man schon Jahre kennt, eben nicht passieren. So sind zum Beispiel auch viele der Vocals von Malte live entstanden. Live finden oder erarbeiten wir Sachen, die man so im Studio nicht gefunden hätte. Sowie die “Warriors”, die aus den Live-Konzerten der Playhouse-Tour entstanden ist und deren lange Seite ist ja auch mehr oder weniger live aufgenommen. So ähnlich ist es eben mit “You Know” auch gewesen – da setzen sich die Vocals auch aus mehreren Live-Auftritten zusammen.

Debug:
Also bewusst wenig klar rauslesbare Referenzen?
Losoul:
Erstens das, auch besteht bei Referenzen immer die Gefahr des Politischen. Deswegen wollte ich diesen Weg dieses Mal nicht gehen. Ich hab das ja auch schon mal gemacht. Und manchmal finde ich das einfach nicht gut, wie manche Leute das machen. Um nicht zu sagen, das geht mir manchmal total auf die Nerven, wie es gemacht wird.

Debug:
Mit musikalischen Zitaten um sich werfen ….
Losoul:
Ja. Das sollte in diesem Fall weniger sein. Das lag mir am Herzen. Irgendwann ist das halt auch erschöpft. Es berührt weder mich als Produzent noch die Leute, die das auflegen oder hören. Es war halt ein Versuch, etwas Eigenständigeres zu machen. Wie du gesagt hast, es gibt da eher emotionale Referenzen: an den Club, ans Feiern, an Portionen von Seele, die ich so von anderen Künstlern und von Musik nicht bekommen habe. Und Energie. Das klingt jetzt vielleicht etwas sehr elementar. Aber irgendwann dahin.

Dieser Artikel erschien im Magazin DE:BUG.

 

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