Ivan Smagghe / Black Strobe: Bleeps mit Attitude

von ludwig am 26. April 2004


Einst kam rauschende Kunde aus Paris. Dort gibt es eine Nacht für Techno-Ermüdete, die das Pendant aus Williamsburg wie einen Dorffasching aussehen lässt. Die Blackstrobes Smagghe und Arnaud Rebotini waren die Gastgeber. Auch solo erwischt Ivan Smagghe zwischen Elektroclash und Elektro-Disco den Analog-Funk auf der richtigen Backe. Wir haben ihn durch die Nacht begleitet, immer der Fettspur seiner Haare hinterher.

Für bleepige Tracks mit 80er-Flavour und waviger Schlagseite steht Ivan Smagghe aus Frankreich. Nicht zuletzt seit seiner “Kill the DJ”-Compilation auf Tigersushi, seinen Mixen für The Rapture oder Tiefschwarz und seinen Releases auf Trevor Jacksons Output Label. Dabei reiht er sich mit seinen beiden Projekten Blackstrobe (mit Arno Robotny) und Volga Select (mit Marc Collins) angenehm reduziert dort ein, wo das sonst eher rotzige Koordinatensystem aus Elektroclash und Wave, Marke DFA oder The Rapture, noch Lücken lässt.

Die kickende Klarheit, die Ivan Smagghes Produkionen zwischen Synth-Pop-Appeal und bleepigem Wave innehaben, will allerdings irgendwie gar nicht zu der Person passen, die mir gerade im Backstage-Raum des Elan Clubs in Meiningen (Thüringen) gegenüber sitzt. Denn während unten im Club der Tigersushi-Macher Joakim und Playhouse-Haudegen Heiko M/S/O vor einer johlenden Meute auflegen – der Finlandia “Fresh Styles Approved”-Abend ist in vollem Gange – sitzt vor mir ein fahrig wirkender Ivan Smagghe und guckt müde durch die strähnige Jesus-Mähne. Ist das jetzt original 80er-Kokser-Coolness oder ist es einfach nur die Müdigkeit nach dem ganzen Elektroclash-Hype?

Debug:
Was wird aus Blackstrobe, wenn der Hype vorbei ist?
Ivan:
Für mich und viele der Leute, mit denen ich Musik mache, waren einfach die 80er-Jahre und ihr Sound die frühesten musikalischen Erfahrungen, das prägt. Für uns ist das also keine Mode, sondern das, wo wir herkommen. Also was ganz Natürliches.

Debug:
Also gibt es keine Sorge vor der Zeit danach?
Ivan:
Nicht wirklich. Wir sind zwar eine Weile auf dieser Welle gesurft, wenn sie vorbei ist, ist es aber auch okay. Erstens gibt es einfach auch extrem viele langweilige Elektroclash-Platten und zweitens haben wir nie wirklich Elektroclash gemacht. Zwar pusht so ein Hype schon und beeinflusst so deine Arbeit, aber man versucht ja immer, cleverer zu sein und seinen eigenen Hype zu machen, nicht einem hinterherzulaufen.

Debug:
Aber den Sound magst du schon?
Ivan:
Das Gute daran ist die Energie, die Einfachheit und die Attitude. Mehr als das pure House-Ding, etwas Rock’n’Roll, würde ich sagen.

Debug:
Nach dem Remix für The Rapture, kriegst du da noch Feedback aus den USA?
Ivan:
USA? Da geht doch zurzeit gar nichts mehr!

Debug:
Vielleicht von den DFA-Jungs?
Ivan:
DFA ist New York und New York ist nicht Amerika!
New York ist New York! Aber selbst New York ist tot, viele Clubs sind zu, du kannst in Bars nicht tanzen!

Debug:
Also ist es doch wie der Rest von Amerika?
Ivan:
Na ja, aber das ist vielleicht der Grund, warum da mehr Rock-Sachen kommen, weil einfach in Richtung klassischer Club-Sachen dort nicht viel passiert. The Rapture mag ich gerne. Rock, daher komme ich halt auch …

Debug:
Aber in deinen Produktionen reduzierst du den Rock-Faktor dann eher und setzt auf scharf gecuttete Synthiebleeps?
Ivan:
Ich arbeite gerade an einem neuen Blackstrobe-Album, und das wird auf jeden Fall rockiger werden, wenn auch in elektronischer Hinsicht. In der Art, dass es Songs werden, nicht Tracks. Zumindest wenn Vocals dabei sind. Also wenn Vocals, dann gleich einen richtigen Vocal-Song, keinen Track mit Vocal-Gimmicks obendrauf …

Debug:
Du legst soviel auf wie nie zuvor, stört das die Arbeit als Produzent oder ist das eher eine Bereicherung?
Ivan:
Disziplin! Am Wochenende auflegen, unter der Woche ins Studio. Alles andere führt zu gar nix und ich würde die ganze Woche nur rumhängen und mich vom Wochenende erholen. Das Auflegen ist zwar für das Produzieren nicht unbedingt essentiell, aber für mich!

Und auf einmal scheint jegliche Müdigkeit verflogen, später hinter den Decks wird er zusammen mit Joakim und Heiko M/S/O solide rocken, ohne Gimmicks, dafür mit Attitude. Wir sind ja auch in Meiningen und nicht in New York.

Dieser Artikel erschien im Magazin DE:BUG.

 

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