Gemini DJ-Mixer: Billig muss nicht billig sein

von ludwig am 12. März 2005


Kein Geld für einen Mercedes? Dann kauf dir doch einen Skoda. Ist auch solide, und hey, schließlich geht es um Fortbewegung. Beim DJ-Equipment sieht es nicht großartig anders aus. Auf der einen Seite bieten Pioneer, Vestax und Allen & Heath hohe Qualität für teures Geld, inklusive Balsam für dein Selbstwertgefühl als Profi-DJ. Auf der anderen Seite steht Gemini mit moderaten Preisen für ebenfalls solide Qualität. Du fragst: Wo bleibt da der Glamour für meine DJ-Booth? Ich sage: Hey, bist du DJ oder Model? Schließlich geht es doch um Musik. Oder etwa nicht?

In Plattenläden stehen ja zum Vorhören grundsätzlich die billigsten Mixer, die man finden kann. Hässliche Kisten mit Fadern drangeklebt, grundsätzlich zu 75 Prozent kaputt, schließlich sind sie ja Tag für Tag im Dauereinsatz und werden zudem von der Kundschaft nicht gerade pfleglich behandelt. Das war meine erste Erfahrung mit Gemini-Produkten, dieser grün-schwarze Mixer mit den Totenköpfen drauf. Stand da im Plattenladen, wenn man eine Woche später wiederkam, hatte er garantiert ein paar Macken mehr, man konnte ihm regelrecht beim Auseinanderfallen zusehen. Heute sieht das anders aus, Geminis UMX-SE Mixer-Serie zum Beispiel punktet mit durchaus sehr guter Qualität zu einem moderaten Preis. Zur Musikmesse in Frankfurt präsentiert man jetzt mit dem Hybrid aus Platten- und CD-Spieler CDT-05 ein Gerät, das in der Produktpalette von Pioneer, Vestax und Konsorten seinesgleichen sucht. Ein Prototyp für einen DVD-VJ-Mixer steht auch schon in der Vitrine. Nachbaufirma-Image, Taschengeldpreise, Gemini what’s happenin’?

Gemini ist ein Veteran im DJ-Zubehör-Business, seit nunmehr 31 Jahren bauen sie schon Plattenspieler, Mischpulte und das alles – was man halt so braucht, um seine Liebe zum Musikmischen auszuleben. Frech bei den Großen kopiert, wie so manch anderer Anbieter im unteren und mittleren Preissegment, haben sie dabei nur einmal. Aber auch dieser 1210er-Nachbau liegt schon gut zehn Jahre zurück. Fast so lange wie die Zeiten, als sie noch Produkte wie den KL-10, der oben erwähnte berüchtigte Totenkopf-Mixer, gebaut haben. Trotzdem hält sich hartnäckig das Einsteiger-Image, wie kommt’s?

Wider der Hochpreisigkeit!

Vielleicht weil sich Gemini weigert, auch für höherwertige Produkte wie beispielsweise die UMX-Mixer-Serie dem geneigten Konsumenten ordentlich in die Tasche zu greifen. Was nicht automatisch heißen muss, dass dort doch irgendwie minderwertige Bauteile verwendet werden. Denn auch bei etablierten Zugpferden im DJ-Gear-Geschäft ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer sagt denn, dass der hohe Preis bei einem Oberklasse-Mixer komplett für die allerfeinsten Bauteile verwendet wird? Ein Großteil vom Endpreis geht vielleicht auch für die entsprechend aufwändigere Image-Kampagne drauf, die allen klarmacht, warum der Preis so hoch sein muss und dass du der Oberpimp bist, stehst du hinter den “Profi“-Reglern. Zusätzlich kommt hier noch eine Art “Psychologie des Hochwertigen“ ins Spiel, so erzählt Mark Matthews über die Einführung der UMX-Mixer: “Ich denke, dass sogar einige andere Hersteller wegen des UMX die Preise gesenkt haben. Es scheint also möglich zu sein, High-End-Produkte zu bezahlbaren Preisen anzubieten, allerdings ‘fühlt’ sich dieses Produkt für den Kunden nicht wie ein High-End-Produkt an. Wenn ein Hersteller zum Beispiel den Preis für einen CD-Player von 1.000 Euro auf 500 Euro senkt, werden die Leute ‘fühlen’, dass er nicht so gut ist wie ein anderer Player aus der 1.000- Euro-Klasse, der aber nicht im Preis gesenkt wurde.”

Dabei lässt sich der Zusammenhang zwischen Preis und der Qualität der verbauten Komponenten natürlich nicht ganz verleugnen: “Klar sind Preis und Qualität miteinander verknüpft, das will ich gar nicht abstreiten. Ich meine nur, dass die Leute einfach denken, dass ein Gerät, je teurer es ist, auch umso besser sein MUSS.“ Dabei stößt die Rolle der ganz Großen im Business bei Gemini durchaus auf Wertschätzung: “Große Marken wie z. B. Pioneer tragen mit ihren neuen und innovativen Ideen dazu bei, dass der Markt wächst. Ich sehe das als großes Plus, denn der Markt wird auch größer für Firmen, deren Zielgruppe sich keine High-End-Produkte leisten kann.“

Das Bild von der Mittelpreis-Firma im Kampf gegen die Markenriesen aus der Preisoberliga scheint also so nicht mehr ganz zu stimmen. Oder sind das nur rosige PR-Wolken, die den klaren Blick auf die harte Realität des Konkurrenzkampfes verschleiern sollen? Schließlich geht es hier um viel Geld und das will natürlich auch eine Firma wie Gemini verdienen, die sich dem Low- bis Mid-Budget-Bereich verschrieben hat. Wer weiß. Dabei schwinden auf bestimmten Bereichen des Marktes die Grenzen zwischen Hoch- und Mittelpreis zusehends, zum Beispiel durch eine noch recht frische Entwicklung auf dem Equipment-Markt: Final Scratch sei Dank, bildet sich nach und nach ein neues Produktfeld, das die Brücke zwischen Computern und klassischem DJ-Equipment schlägt und anscheinend noch ohne feste Preis-Strukturen ist. Daher antwortet Mark Matthews auf die Frage, wo er am Markt die größten Wachstumspotentiale sieht: “Ich sehe die größten Chancen bei den ‘Computer Based Products’, wo es zurzeit noch kein hohes, mittleres oder niedriges Preissegment gibt.“ So eine Chance lässt sich doch niemand freiwillig entgehen. Ich erwarte, das auf der Musikmesse 2006 dieser Entwicklung mal mindestens mit einer eigenen Halle Rechnung getragen wird. Und Stanton, Rane und Co dürfen gespannt sein, was Gemini als nächstes aus dem Hut zaubert.

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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