D.Kay & Lee: Tracks, Geduld und AIM

Eine Wien-Oxford-Connenction ist im Drum and Bass eine Skurillität erster Güte. Aber eine, die seit Jahren ganz vorne mitspielt.

Drum and Bass ist nicht mehr nur England. Binsenweisheit Nummer eins. In den letzten Jahren spielt musikalischer Input auch abseits der Insel eine immer größere Rolle. Brasilien, Australien und Neuseeland, anything goes. Binsenweisheit Nummer zwei. Trotzdem lassen sich etwa Signings von deutschen Artists auf prominenten englischen Labels gut und gerne an zwei bis drei Fingern abzählen, warum auch immer, ist eben so. Binsenweisheit Nummer drei.

 

Aber es gibt auch musikalische Crosslinks, die aller geographischen Verortungsversuche spotten, wie etwa die Oxford-Wien-Kollaboration von D.Kay und DJ Lee. Passt so gar nicht ins Schema, funktioniert aber bestens. Und das seit Jahren. Was braucht man, um von Österreich auf beinahe allen englischen erste-Reihe-Labels zu releasen? “Es ist eigentlich einfach, man braucht gute Tracks und Geduld. Und AIM”, sagt D.Kay – und der sollte es wissen. Nach über drei Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit DJ Lee.

Dabei ist in Drum-and-Bass-Kreisen die bekennende Liebe zum AOL-Instant-Messenger mindestens genauso groß wie die Wertschätzung für die Tracks, die D.Kay und Lee in Wien so zusammenbasteln. Deepe Roller, gerne auch mal flächig sweet wie ihr Hit “Manipulate the Universe”, aber auch durchaus knackig-düstre Tracks wie “Tuning” – ihr Beitrag zur Metalheadz Compilation No.5. Markenzeichen ihrer Tracks? Eine satte Portion upliftender Energie, die sich aus DJ Lees musikalischen Impulsen aus England und D.Kays grundsoliden Produktionsskills speist. Auf ein Drum-and-Bass-Subgenre lassen sie sich dabei kaum festnageln. Alles ist dabei, könnte man sagen. Kategorien wie Liquid, Clownstep, Techstep hin oder her. Auch wenn Fabio und Grooverider in der letzten Debug ausführlich dargelegt haben, warum es den Begriff Liquid gar nicht gibt, so gesteht D.Kay diesen Begriffen doch eine gewisse Daseins-Berechtigung zu: “Der Mensch muss die Dinge beim Namen nennen können. Wie wollen wir über die Emotionen der Musik reden (und dass muss man ja auch), wenn wir keine gemeinsamen Anhaltspunkte haben? Presets im Synthesizer werden ja auch kategorisiert, jedes einzelne Instrument ist eine Kategorie für sich, warum dann nicht auch verschiedene Drum-and-Bass-Styles betiteln?” Lee sieht das ähnlich pragmatisch wie sein Studiokumpel aus Österreich: “Ich finde solche Begriffe lustig, aber klar, wir benutzen sie alle. Ich mochte immer ‘NeuroFunk’, hört sich doch cool an. Aber shit, was war das noch mal? (lacht).”

Also weg von den Kategorien, denn letztlich, so D.Kay, “gibt es für jede Spielart ein Publikum, man muss es nur finden”. Und daran arbeiten sie fleißig, auch wenn DJ Lees Label Atlas Recordings momentan eher ruht und er sich vor Jahren bereits von Timeless verabschiedet hat (was dann bekanntlich von Digital übernommen wurde), baut sich doch D.Kay mit dem Brigand Label gerade seine eigene kleine Plattform auf und arbeitet an seinem ersten Album, dass auf eben diesem Label erscheinen soll. Zusätzlich zu den Releases auf UnderConstruction, Metro, Hospital, Metalheadz, 31 Records usw. wohlbemerkt. D.Kay: “Ich sehe meine Discographie bis jetzt als großes Puzzlespiel, am Ende soll der Gesamteindruck zählen, wobei das noch nicht abzusehen ist. Was ich bis jetzt jedoch gelernt habe, ist, egal welcher Name oder welches Label – wenn der Track gut ist, und vor allen Dingen zum richtigen Zeitpunkt gut ist, kann er aus dem Nichts groß werden.” Soweit die Theorie, ich bin gespannt auf die erste Paderborn-EP auf Metalheadz. Bis dahin gilt: Wenn DJ Lee wieder die Koffer für den nächsten Wien-Trip packt, dann wärmt D.Kay schon mal den Studiosessel vor und sortiert die Samplebänke. Und wir dürfen gespannt sein, auf neue Tracks aus Wien Ecke Oxford.

Dieser Artikel erschien im Magazin DE:BUG.

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