Audiorealism Bass Line Pro: Mehr als Acid

von ludwig am 12. März 2006


Auf der Suche nach der perfekten Acid-Blubber-Emulation kann man jetzt sogar halbmodulare Strippen ziehen. Die Schweden haben es erfunden.

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Audiorealism ABL Pro VST-Synth

Komme, was wolle, Acid ist nicht totzukriegen. Und wie jeder weiß: ohne TB 303 nix Acid. Da die Kisten nun mal rar sind, greift der Neo-Acid-Produzent gern zur Software-Emu. In dieser Sparte hatte schon der Vorgänger – der nur simpel Audiorealism Base Line hieß – von sich reden gemacht. Nun gibt’s die aufgebohrte Variante mit dem Pro im Namen, kurz ABL Pro genannt. Und das Pro ist mehr als verdient, denn dieses Plugin hat weit mehr zu bieten als Zwitschern und Bleepen.

Die Klangarchitektur ist klassisch: Der ABL Pro kommt mit zwei Oszillatoren, stufenlos umschaltbar zwischen den Wellenformen Puls, Sinus, Rechteck und Sägezahn. Dazu ein Rauschgenerator und zwei ADSR-Hüllkurven sowie ein spannungsgesteuerter, nichtlinearer Filter mit Hang zur Selbstozillation und drei Betriebs-Modi. Dann gibt es noch den so genannten Modulations-Generator, der als dritter Oszillator fungieren kann, und, wie es sich für Abkömmlinge der 303-Familie gehört, einen eingebauten Step-Sequenzer. Augenfälligste Neuerung: Wer will, kann mit virtuellen Patchkabeln Modulationsziele und -quellen wild miteinander verschalten und am Ende den Klang noch mit einer Sättigungseinheit andicken und mit einem guten Stereo-Delay aufmöbeln.

Der Sound

Nun sagen diese technischen Specs recht wenig über den wirklichen Gebrauchswert dieses PlugIns aus. Und der ist beim ABL Pro beträchtlich angewachsen: Denn wie bereits erwähnt, kann der ABL Pro jetzt weit mehr als Acid. Das Soundspektrum hat sich in Richtung Pads und ausgefuchste Sequenzen verbreitert, auch wenn satte Analog-Leadsounds und blubbernde Lines seine absoluten Stärken bleiben. Alles in allem klingt er sehr knackig, präsent und schlichtweg enorm druckvoll. Und ja, so analog, wie eben ein PlugIn klingen kann. Das macht den ABL Pro zu einer vielseitigen Analog-Synth-Emulation, die ihre 303-Klon-Vergangenheit nicht leugnet, aber nun um einige Einsatzmöglichkeit bereichert. Nicht zuletzt dank virtuosem Einsatz des integrierten Sequenzers.

Träge Knöpfe

Mankos hat dieses PlugIn wenige. Klar, der gute Klang wird wie immer mit ordentlich Ressourcen-Hunger bezahlt. Hier fordert der ABL Pro einiges an Rechenleistung. Der zweite Minuspunkt für mich ist das Trägheitsmoment der Knöpfe: Wenn man massive, schwergängige Hardware-Knöpfe virtuell durch langsames Reaktionsverhalten emulieren will, mag das schön und gut sein, wenn dadurch die Bedienung verbessert wird. Hier habe ich jedoch manchmal das Gefühl, die Knöpfe der ABL Pro reagieren so langsam, dass fast ein hackeliger Eindruck entsteht. Da fragt man sich, ob die virtuellen Potis einfach grob gerastert sind oder der Ressourcenhunger schon zu ersten Aussetzern bei der Host-Software geführt hat.

Fazit

Der phänomenale Klang des PlugIns entschädigt allemal für die kleinen Mankos in der Bedienung. Gegen übermäßige Gefräßigkeit bei der Rechenleistung hilft zur Not das Bouncen/Freezen der Spuren. Aufgrund des umfangreichen Klangspektrums und des ausgezeichneten Sounds kann man den ABL Pro auch allen Nicht-Acid-Jüngern nachdrücklich empfehlen. Acid-Puristen kommen hier zwar nach wie vor auf ihre Kosten, wenn sie jedoch auf der Suche nach einer lupenreinen Emulation einer TB 303-Modifikation à la Devilfish sind, empfiehlt sich die gute alte ABL (ohne Pro) oder das “Phoscyon”-PlugIn der Firma d16. Das kann nämlich garantiert nur Acid.

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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