Alesis Micron Synthesizer im Test

von ludwig am 12. März 2005


Der rotsilberne, kompakte Alesis Micron basiert auf dem Ion Synthesizer aus dem gleichen Hause und packt dessen Klangarchitektur in ein radikal entschlacktes Gehäuse.

alesis micron 300x170 Alesis Micron Synthesizer im Test

Alesis Micron Synthesizer

Gerade mal 4 Endlosregler, 2 Schieberegler, das Pitchwheel, ein zweizeiliges Display und eine Handvoll Knöpfe sind übrig geblieben. Wer also gewohnt ist, seine Sounds durch virtuoses Schrauben an möglichst vielen Knöpfen zurecht zu biegen, wird erst mal gehörig schlucken, wenn er sich mit dem Micron konfrontiert sieht.

KLANGERZEUGUNG

Dabei verfügt dieser achtstimmige Synthesizer, der bei der Klangsynthese auf drei Oszillatoren pro Stimme (Wellenformen: Rechteck, Sägezahn, Sinus, plus Ringmodulation, Hard-/Softsync, FM-Konfiguration und Noise) zwei Multimode Filter, drei ENVs sowie zwei LFOs zurückgreifen kann, über ein durchaus ansehnliches Klangspektrum. So stehen zum Beispiel für die zwei seriell oder parallel schaltbaren Filter insgesamt 20 verschiedene Filter-Modi bereit, die teilweise auf den Charakteristika prominenter Vorbilder von Moog, Roland oder ARP basieren. Klanglich sicher eines der Highlights des Microns. Auch ist der Klangsynthese eine kleine so genannte Drive-Sektion nachgeschaltet – hier kann mittels Kompressor, rms-Limiter oder Tube Overdrive dem Sound eine gehörige Portion Druck (oder Dreck) verpasst werden. Folglich kommt der Micron – der Drive-Sektion sei Dank – mit durchaus druckvollen Basssounds daher und kann, was Pad-Sounds angeht, ebenfalls durch vielschichtige Klänge überzeugen, was wohl der guten Filtersektion zu zuschreiben ist.

FUNKTIONSUMFANG

Trotz seines simplen Äußeren bietet der Micron einen erstaunlichen Funktionsumfang, die wenigen Knöpfe, die es gibt, haben es in sich. Hinter “Rhythms” steckt beispielsweise ein kleiner Drumcomputer, hier können mittels Step- oder Realtime-Programmierung Beats aus bis zu acht Drumsounds zusammengebastelt werden. Wobei mir die Step-Programmierung in einem zweizeiligen Display nicht wirklich Spaß gemacht hat. Der Knopf “Pattern” führt zu einem kleinen Phrasensequenzer, hier können melodische Sequenzen und Arpeggiator-Variationen samt Bewegungen der Slider aufgezeichnet werden. Richtig komplex wird es dann allerdings im Setup-Modus des Micron – hier lassen sich normale Presets, Rhythms und Patterns durch Layerkombinationen miteinander verschalten – wer gerne programmiert, kann sich hier richtig austoben – allerdings ist die achtstimmige Polyfonie des Micron dann auch irgendwann ausgereizt.

BEDIENUNG

Nahezu die komplette Bedienung des Microns erfolgt maßgeblich über einen zentralen Endlosregler. Er dient zur Navigation durch die Presets und erlaubt durch Draufdrücken dann das Editieren der einzelnen Parameter. Wobei diese auch über das 37-Tasten-Keyboard direkt angewählt werden können, was allerdings nicht so einfach ist, weil die dafür nötigen Beschriftungen äußerst schwer zu lesen sind, da sie an der schmalen senkrechten Gehäusekante unmittelbar über dem Keyboard angebracht sind. Zwar ist die Reihenfolge der Submenüs durchaus sinnvoll angeordnet und folgt so elegant dem Workflow beim Erstellen eines Sounds, sucht man aber einen bestimmten Parameter, kommt man schon ganz schön ins Kurbeln.

FAZIT

Der Micron klingt gut, wenn auch manchmal etwas zu clean digital, aber hier schaffen die flexiblen Multimode-Filter und die Drive-Sektion spielend Abhilfe. Wer sich mit dem reduzierten Bedienkonzept anfreunden kann, hat bestimmt lange Spaß an der großen Bandbreite an Funktionen. Angesichts der wenigen, wenn auch meist gut durchdachten Kontrollmöglichkeiten vermisse ich allerdings schmerzlich eine Editorsoftware. Damit wäre auch ein bequemes Editieren der Sounds vom Rechner aus möglich, was den Micron enorm aufwerten würde. Sounddiver, übernehmen Sie!

Dieser Artikel erschien in der DE:BUG.

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